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#27 – Trials and Error

Von am Mai 5, 2014 in Blog

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So einem kleinen Mensch beim Herranwachsen zusehen zu dürfen wird mit jedem vergangen Tag immer unterhaltsamer. Waren gerade die ersten Wochen direkt nach der Geburt vorallem für mich als Vater eher nur passiv mitzuerleben (denn außer schlafen, Windelwechseln und trinken ist nicht viel an Tagesprogramm zu erwarten) wurde mir jetzt deutlich, wie sehr sich die Ansprüche meiner Tochter im Gegensatz zu “damals” verändert haben.

 

Wo früher noch “einfache” Grimassen zur Belustigung ausgereicht haben, musste ich später schon das Heben und Senken meiner Stimme mit einbauen um ihr ein Lächeln zu entlocken. Letzte Woche allerdings, sah ich mich zusätzlich zu den Grimassen und Geräuschen wie ein Affe vor meiner Tochter hin und her springen. Hätte ich das Ganze auf Video aufgenommen und ins Internet gestellt, es wäre mit fremden Geräuschen unterlegt vermutlich der YouTube Hit 2014. Ein Video, dass man sich ansieht und sofort merkt wieviel besser es einem geht als diesem bekloppten Typen auf dem Bildschirm.

 

Der kleine 9 Kilo Brocken entwickelt so langsam immer mehr ein eigenes Bewusstsein und somit Vorlieben oder Abneigungen bezüglich des täglichen Entertainment Programms. Das Anstrengende daran ist meiner Meinung nach nur, dass Viola aktuell in einer Paradoxen-Entwicklungs-Schleife festhängt (ich nenne sie die Hawking-Schleife, weil eh alles nach dem Typen benannt wird) aus der sie sich nur durch weiteres vorranschreiten der Evolutionsleiter befreien kann.

 

…::: Die Hawking-Schleife :::…Hawking Schleife

 

Liegt sie beispielsweise rücklings auf dem Boden und der Blick an die Zimmerdecke wird auf Dauer, trotz ausgewählter Spielsachen im Sichtfeld, zu langweilig, dreht sie sich kurzerhand um auf den Bauch. Dies bietet vorübergehend immerhin einen anderen Blickwinkel auf die Welt, aber auch hier stellt sich, signalisiert durch zickiges Kreischen, schnell Langeweile ein. Denn mehr als sich durch Ruderbewegungen mit den Armen 360° Grad um die eigene vertikale Achse zu drehen, ist laut heutigem Stand noch nicht drin. Selbst das selbstständige Zurückdrehen von der Bauchlage auf den Rücken wurde von uns seltener beobachtet als die Next-Gen-Konsolen aktuell Spiele zur Auswahl haben. Helfen wir Viola beim umdrehen, reicht ihr Gedächtnis aus um sich nach 10 Sekunden auf dem Rücken an die bereits bekannte langweilige Ansicht zu erinnern und dies entsprechend zu kommentieren. “Backtracking” sagt man in der Videospielbranche dazu, und das Zurückführen des Spielers an bereits bekannte Orte führt zu ähnlich schlechter Kritik bei Spieletestern.

 

Nachdem also Rückenlage, Bauchlage und 360° Grad Drehungen nicht helfen, versucht Baby sich aus der Rückenlage aufzurichten um sitzend am Leben teilnehmen zu können. Die Muskelgruppen welche für eine gyroskopisch stabile Sitzposition verantwortlich sind, bringen aber außer einem halbgaren Situp leider nicht mehr Leistung zustande. Das sorgt für Frust und wirft uns zurück an den Anfang unserer Hawking-Schleife. Ohne Aussicht auf einen Ausweg aus der Langeweile, wird die eigene Lautstärke hochgedreht und gebrüllt.

 

In dem Fall hilft es ausschließlich, sich dazuzusetzen und sie mit Spielzeug zu versorgen, oder wenn das zur Schadensbegrenzung nicht ausreicht, die Kleine auf den Armzu nehmen und den Standort durch Herumtragen interessanter zu gestalten.

 

Beim Wählen der ersten Variante, dem unterhalten mit artgerechtem Spielzeug, ist mir deutlich geworden, dass viele der Verhaltensmuster auch im erwachsenen Alter beibehalten werden.

 

Sobald die Holzbiene in den Händen meiner Tochter nicht den von ihr gewünschten Effekt (den es stets zu erraten gilt) erfüllt, wird “Summi” aufgrund ihrer Unflexibilität genervt angeschrien. Es folgt vielleicht ein zweiter Versuch, der aufgrund der Materialeigenschaften genauso erfolglos bleibt, aber spätestens der dritte führt zum totalen Systemabsturz und das Spielzeug fliegt mit Lichtgeschwindigkeit durch die Wohnung.

 

…::: Die eigene Schublade entdecken :::…Die eigen Schublade

 

Fast so ähnlich sah ich beim Zocken von Trials Fusion aus. Tatsächlich habe ich es geschafft mich von Minecraft, zumindest zeitweise, loszureißen und die Disc ins Laufwerk zu schmeißen. Da ich bereits beide Vorgänger auf der Xbox 360 bis zum Umfallen gezockt habe, fiel mir der Einstieg in den neuen Serienableger, erstmals auf der neuen Konsolengeneration, nicht schwer. Mit Trials ist es allerdings wie mit dem Fahrradfahren, man verlernt es nie, aber es in Perfektion zu beherrschen erfordert eine Menge Geduld und Training. Es gilt “Versuch macht klug”

 

Für die Eltern der Eltern: Bei Trials handelt es sich um ein Geschicklichkeitsspiel, in dem ein Motorrad durch einen skurrilen Hindernisparcours gefahren werden muss. Dabei muss ich mich als Spieler nicht um die Lenkung nach links oder rechts kümmern. Ich bestimme “nur” die Geschwindigkeit des Motorrads durch Gas geben oder bremsen und kann zusätzlich die Gewichtsverlagerung des Fahrers bestimmen. Ziel ist es, das Motorrad samt Fahrer möglichst fehlerfrei und schnell durch die Strecke zu führen. Loopings, Sprungchancen oder andere schwierig zu überwindende Hindernisse machen es einem dabei nicht leichter. Die Motivation besteht darin, jeden Parcours der für sich im Streckenverlauf immer gleichbleibend ist, durch ständige Wiederholungen zu erlernen und perfekt zu meistern. Die eigene Streckenzeit wird nach jedem Durchgang mit den Zeiten der Freunde, die das Spiel auch besitzen automatisch verglichen.

 

Nach bereits einer Stunde Spielzeit hatte ich gefühlte 100 Wiederholungen hinter mir, weil ich bei jeder Strecke immer die Bestzeit aus meiner Freundesliste erreichen wollte. Erst wenn die Bestzeit geknackt war, habe ich mich für den nächsten Parcours interessiert. Wenn es in einem der Level mal besonders knifflig wurde, und ich einfach nicht verstanden habe wie zumTeufel meine Freunde Zeiten mit mehr als 2 Sekunden Abstand zu meiner Bestzeit fahren konnten, war ich kurz davor in den Controller zu beißen. Schlimmer waren nur noch die Momente, wo der Sieg zum greifen nah war und ich an einer schweren Stelle, die ich vorher Trilliarden mal perfekt abgefahren bin, einen Fehler begangen habe. Nur 0,3g Gehirnschmalz mehr als ein Affe sie besitzt, hielten mich davon ab den Controller durch den Raum zu schleudern und Lautstart aufzuschreien. Meiner Freundin war das Verhalten aus den vergangen Spielen schon bekannt, und sie musste mich mehrmals dran erinnern, das im Nebenraum im Vergleich zu damals nun ein Baby schläft und ich bloß nicht auf die Idee kommen soll laut zu fluchen. Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber wenn ich Frust unterdrücken muss, staut sich im Gehirn eine kleine Wasserstoffbome der Emotionen an die bei einer Explosion selbst Godzilla nicht überleben würde. Also habe ich, bevor die Bombe gezündet wird, aus Selbstschutz nach knapp jeweils 1,5 Stunden genervt auf den “Power Off” Knopf an der Xbox gekloppt. Genug gespielt, jeder noch so kurze Versuch würde wie auch beim Verhalten meiner Tochter zum Wechsel in den “Rage Modus” führen.

 

Aber genau wie sich meine Tochter bei nächster Gelegenheit wieder dem Erforschen ihres Spielzeugs widmen wird, werde auch ich mich freiwillig wieder mit diesem Nervenfresser an Videogame befassen. Denn es sind unter anderem die kleinen Erfolgsmomente die uns Menschen antreiben könne. Das ständige Ausprobieren liegt uns Menschen seit der Urzeit im Blut und treibt uns in vielen Lebensbereichen an. Es sorgt dafür, dass wir in unserer Entwicklung nicht stehen bleiben, denn Stillstand bedeutet irgendwann Rückschritt. Und wer will schon in der Trials Highscore-Liste seiner Xbox Live Freunde auf dem letzten Platz stehen?! (Mein Gamertag lautet: Vide0GameDad, das O als Null geschrieben)

 

So richtig abschalten kann ich allerdings auch dann nicht mehr, wenn die Xbox aus ist. Vielleicht kennen einige von euch den sogenannten “GTA Effekt”. Ihr dreht ein paar Runden in der Welt von GTA und bei der nächsten Autofahrt kribbelt es in den Fingern einen ähnliches Fahrstil kurzerhand im realen Leben hinzulegen. Unser Verantwortungsgefühl schützt uns zum Glück vor solchen Aktionen und es bleibt lediglich beim Kopfkino… Der ähnliche Effekt führt in Verbindung mit Trials dazu, dass ich beim Spazierengehen jedes Hindernis im Kopf durch gezieltes Gasgeben, Bremsen und akkurater Gewichtsverlagerung überquere… mit dem Unterschied, dass ich mein Verantwortungsgefühl kurzerhand zu Hause lasse und aus dem Kopfkino erschreckende Realität wird.

 

…::: Nichts für schwache Nerven :::…Trials and Error

 

Besser so, als wenn ich mich mit Spitzhacke in der Hand und Baby auf dem Arm durch den Waldboden hacken würde um nach Rohstoffen zu suchen.

 

Gruß

VideoGameDad

1 Kommentar

  1. Avatar SysOpGfx

    5. Mai 2014

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    Zum Glück sind die Strecken in der realen Welt selten so Anspruchsvoll wie in Trials und auch der Kinderwagen beschleunigt langsamer als ein hochgezüchtetes Stuntmotorad.

    Dennoch muss ich leider sagen das sich die Bestzeiten auf einem Großteil der Strecken wieder erledigt haben, nachdem es endlich die Gelegenheit gab sich mit den Streckenzeiten des Vide0GameDads zu messen.

    Auch wenn es zugegebenermaßen bei der einen oder anderen Strecke eine richtige Herausforderung war die Zeiten zu schlagen und die eine oder andere noch zu offen ist.
    Ich drücke also die Daumen beim Versuch dich wieder an die Spitze zu setzen. 😉 Und eine Extradosis Frusttoleranz um den Controller und die verschiedensten Möbelstücke vor den ärgsten Bissspuren zu schützen.

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