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#28 – Tetris auf 78qm

Von am Mai 12, 2014 in Blog

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Ich behaupte, alle meine Leser haben, wenn auch sonst vielleicht kaum einen Bezug zu Videospielen, in ihrem Leben bereits mehrfach TETRIS gezockt. Angefangen von den Kindern der 80iger die mit dem Titel großgeworden sind, bis hin zu den Müttern dieser Töchter und Söhne. Das Game, in dem geometrische Formen möglichst lückenlos und kompakt gestapelt werden müssen, begeisterte bereits viele Generationen unabhängig von Geschlecht, Alter oder eigentliche Konsolenvorliebe.

 

Doch was, wenn TETRIS plötzlich zur brutalen Wirklichkeit wird?

 

Ich sah mich in der letzten Woche unfreiwillig mit genau dieser Aufgabe konfrontiert indem ich unsere überschaubare 78qm Wohnung aufgrund kurzfristiger Errungenschaften fast komplett umstellen musste.

 

Ein Baby bleibt nicht immer ein Baby. Soweit habe ich im Biologieunterricht aufgepasst. In dieser spannenden Schulphase irgendwo zwischen der 7. und 9. Klasse, in welcher meist der Sexualkundeunterricht in Form einer Projektwoche die herranwachsenden Teenager über das Leben aufklärt, wird den Kids allerdings in keiner Form erklärt wie der natürliche Lebensraum solcher Babys auszusehen hat. Dabei könnte man die Schüler zu keinem Zeitpunkt besser motivieren, mehr für einen guten Abschluss zu lernen und dadurch später bessere Chancen im Jobleben zu erhalten. Denn eine große Wohnung und somit mehr Platz für SICH SELBST, wenn der Nachwuchs da ist, bezahlt sich nicht von ungefähr und kann auch nicht durch irgendwelche (legalen?) Cheatcodes aktiviert werden.

 

Bei Viola vermute ich schon fast einen Zahlendreher im Quellcode. Wir haben das “Glück” ein so monströses Baby produziert zu haben, dass für uns zumindest die körperliche Entwicklung an manchen Stellen ein weniger schneller verläuft als im Lehrbuch des Biologieunterrichts nachzulesen ist. Mit 6 Monaten trägt der kleine Hulk bereits Schlafanzüge für Kinder von 9 bis 12 Monaten und sorgt bei anderen Müttern stets für staunende Augen wenn wir das tatsächliche Alter preisgeben. Auch in ihr Beistellbett, welches noch bei uns im Schlafzimmer steht, passt Viola derzeit mit jeweils 1cm Abstand nach oben und unten gerade noch rein. Wenn ich der Kleinen in der Nacht eine neue Windel verpassen, ist es für mich immer Schwerstarbeit sie danach im Dunkeln wieder ohne anecken in ihr Bett zu legen. Komme ich dann doch mit ihrem zarten Köpfchen gegen das Bettgestell, ist das Geheule natürlich groß und die Nacht vorerst im Eimer.

 

Grund genug für meine Freundin sich, ähnlich wie bei den Sims, frühzeitig nach einem Add-On mit neuen Baby Möbeln und Wohnungs-Accessoires umzusehen. Das passende Bett samt aufeinander abgestimmten Schrank und Wickelkommode wurde schnell gefunden, und ohne mir Mitspracherecht einzuräumen war die Sache unumstößlich beschlossen. Was will man(n) auch groß dagegen sagen wenn das neue Bett laut Freundin doch “soooo süüüß” aussieht und bereits eine Bezugsquelle in der Nähe ausgemacht wurde bei der ich die Möbel gleich morgen abholen kann.

 

Nachdem die Möbel unaufgebaut bei uns in der Wohnung standen, informierte ich mich aufgrund fraglicher Dimensionen gewisser Bauteile bei Simone ob sie vorher unsere Wohnung ausgemessen hätte, und ob die Möbel an den gewünschten Stellen überhaupt platziert werden können. “Ähhhhhh?… Nö… ich dachte, das hast du gemacht als ich dir gesagt habe, dass ich das haben möchte” bekam ich grinsend entgegen gebracht. Wäre unser Leben ein Anime hätte meine Freundin gerade vermutlich Schlitzaugen und einen Tropfen auf der Stirn, was wohl soviel heißt wie “Upsi, aber ich bin trotzdem unschuldig und sexy”.

 

“Ah ja…….?” dachte ich, mit einem Zucken im Auge. Mir wollte nicht so recht in den Sinn was ich gerade gehört habe.

 

Aber gut! Ich bin es selber Schuld… komplette Kinderzimmer kauft man bekanntlich immer nach Augenmaß. Vorallem wenn die Möbel “soooo süüüß” sind wie diese Zusammenstellung aus einem überdimensioniertem Obstkorb und einem Schrank im Design eines Beichtstuhls.

 

…::: Wohung vermessen? :::…Baby Facepalm

 

Da der Krempel nicht mehr zurückgegeben werden konnte, und das auch absolut nicht in Frage käme (wir erinnern uns an den Cuteness-Faktor), musste ich mir Gedanken machen wie und wo die Möbel aufgestellt werden. Der Wunsch von Simone war es, dass Kinderbett vorerst in unserem Schlafzimmer aufzubauen. Viola wird somit nicht von heute auf morgen aus ihrem Beistellbett in unserer Nähe, alleine in ihr eigenes Zimmer verfrachtet. Sowohl die emotionalen, als auch logistischen Pluspunkte sprachen (natürlich für mich unwiderlegbar!) für den Standort in unserem bereits jetzt kleinen aber gemütlichen Schlafzimmer.

 

Für mich bedeutet dies allerdings eine weitere Kastration in unserer Wohnung. Denn der einzige Platz, wo das Bett hingestellt werden kann, ist aktuell der von meinem Schreibtisch. Aber warum überhaupt Gedanken machen, Mone hat sofort eine großzügige Fläche von 80×110 Zentimeter hinter der Schlafzimmertür für mich ausgemacht an die ich zukünftig meinen PC samt Monitor und Zeichenbrett stellen darf. Der aktuelle “Schreibtisch” ist zwar 90cm breit und würde nicht passen, aber IKEA hat da sicher ne Europalette übrig die für 20 EUR verkauft wird und als Schreibtisch missbraucht werden kann.

 

Nachdem ich damals vor der Geburt ein komplettes Zimmer in der Wohnung für das Kind eingerichtet habe (hier sollte “geopfert habe” stehen, ging aber nicht durch die Moral-Kontrolle), was auch vollkommen selbstverständlich ist und wir damals schon fast die Grenzen unserer Wohnung ausgelotet hatten, werde ich zukünftig die VideoGameDad Beiträge in meiner Kreativecke auf 80x110cm verfassen. Ein Glück, dass der Fernseher im Wohnzimmer an der Wand hängt, sonst wäre ich vermutlich irgendwann angehalten dort für neue Möbel Platz zu schaffen. Schon jetzt muss meine Freundin beim YOGA die Couch auseinander bauen und verschieben um genug Fläche für sich zu haben. In den Werbevideos bei Kinect Games sieht das moderne Wohnzimmer immer etwas anders aus.

 

…::: Go-Go-Gadget-o YOGA-Wohnzimmer (GIF) :::…Tetris Couch

 

Fest steht jedenfalls, das eingeschränkte Inventar eines Resident Evil, Diablo oder Minecraft lässt sich leichter verwalten als unsere Wohnung im aktuellen Ausbauzustand. Und so sehr ich mir über den “Luxus” von 78qm Wohnfläche bewusst bin, reicht mir das auf Dauer nicht aus. Spätestens wenn irgendwann ein zweites Kind (JEHOVA ER HAT JEHOVA GESAGT!) den Goldstatus erreicht, wünsche ich mir mehr gemeinsame Wohnfläche.

 

Obwohl, dank aufkommender VR-Brillen-Technik wie Oculus Rift oder Projekt Morpheus, brauche ich zukünftig vielleicht tatsächlich nur noch 1qm als privaten Rückzugsort um zumindest den Zocker in mir glücklich zu machen. Die Vorstellung, sich während der Zockersession komplett von der Außenwelt abzuschotten und in seinem eigenen kleinen virtuellem Holodeck auf Highscorejagd zu gehen, ist für mich mit die spannendste Entwicklung in der Videospielindustrie der letzten Jahre. Bleibt zu hoffen, dass ich nicht wie dieser Typ (ab 1:20 Minute wirds interessant) an  “Motion-Sickness” leide und in die Bude kotze sobald ich in Trials die Rekorde meiner Onlinefreunde übertreffe.

 

Aber bis diese Art der Unterhaltung käuflich zu erwerben ist, vergehen noch ein paar Wochen und ich kann mich bis dahin auf das Real-Life-Tetris in unserer Wohnung konzentrieren. Immerhin reichen Violas motorische Fähigkeiten bereits dazu aus, mir im Haushalt behilfich zu sein. Meine Socken nach Farbe sortieren erledigt der kleine Genie völlig selbstständig.

 

…::: Socken sortieren Tetris-Style :::…Tetris Style

 

Allen jungen Leuten mit Familienplanung gebe ich einen Tipp: Das Geld in jungen Jahren nicht verfeiern, sondern in einen Bausparvertrag oder ähnliches investieren. Das sorgt für eine weitaus angenehmere Lebensplanung im “reifen Alter”.

 

Hätte mir doch jemand diese Inception eingepflanzt. Aber dummerweise gab es in meiner Jugend noch Alkopops zu kaufen und Zigarettenwerbung im FreeTV.

 

Gruß

VideoGameDad

1 Kommentar

  1. Wojtek

    18. Mai 2014

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    Mit jedem Umzug in eine größere Wohnung / Haus freut man sich über das mehr an gewonnene Platz (Abstellfläche). Leider neigt wohl jeder von uns immer wieder etwas neues zu kaufen und dazuzustellen, ohne etwas anderes im Tausch abzugeben / entsorgen.
    Vielleicht solltet Ihr mal etwas über Minimalismus nachdenken / nachlesen.

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