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#40 – Michael Bay Edition

Von am Aug 4, 2014 in Blog

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Nachdem ich letzte Woche meinen Blog etwas familienfreundlicher angegangen bin und auf Wunsch eines Lesers über die blumigen Seiten des Familienlebens abseits von Captain Kacka und Fräulein Pipi geschrieben hatte, wurde ich kurz darauf von einigen anderen Lesern auf den Boden der Tatsache zurück geholt.

 

Folgende freundliche Leserkommentare (Fn. 1) erreichten mich:

 

“Aaaaalter … ein Blogpost über einen glücklichen Spielplatzbesuch … wie schnarchlangweilig”*

“VideoGameDad Blogeintrag #39 werde ich in Zukunft lesen, wenn ich nicht einschlafen kann.”*

“Also bei der Qualität, bitte neue Einträge nur alle 4 Wochen. Danke!”*

“Habe aufgehört diesen Blog zu flattrn und investiere das Geld zukünftig besser in Klosteine”**

“Wenn der Blog in zwei Wochen schließt, biete ich bereits jetzt 0,50 EUR für die Namensrechte an “VideoGameDad”… nur der weiß noch zu gefallen.”**

 

Es war also unbestreitbar fahrlässig auf Basis von EINEM Userkommentar einen kompletten Blogeintrag zu verfassen. Vorallem weil EIN Leser bei meiner aktuellen Leserstatistik lediglich 0,000001% des stündlichen Besucheraufkommens ausmacht (Fn. 2).

 

Mir bleibt also nichts anderes übrig, als es BioWare gleich zu tun.

 

Der Entwickler musste sich damals für das (in Augen Vieler) schlechte Ende von Mass Effect 3 öffentlich entschuldigen und lieferte anschließend ein neues bzw. erweitertes Ende nach. (Fn. 3)

 

Bei mir ist es glücklicherweise nicht das Ende meines Blogprojekts welches geändert werden muss. Ich brauche mich in diesem Fall nur dem Willen der Masse beugen und kloppe die “Michael Bay VGD Edition” raus. Freut euch auf Explosionen und Lens-Flair. (Fn. 4)

 

…::: VideoGameDad Michael Bay Edtion :::…Michael Bay Edition

 

Circa im 4. Monat fing Viola damit an, uns aus ihrer Baby-Hängematte das Essen vom Teller zu starren. Man muss Psychologie und Menschenkenntnis nicht studiert haben um zu wissen was dieses Verhalten bei einem Baby zu bedeuten hat. Der Säugling ist bereit, langsam an alternative Nahrungsmittel (sogenannte Beikost) abgesehen von Muttermilch herangeführt zu werden.

 

Ab dem Moment beginnt dann (mangels Entscheidungsgewalt des Babys) die Erziehungsphilosophie der Eltern, welche unterschiedlicher nicht sein könnte.

 

Der bekannte Klassiker ist wohl die “Baby-Brei-Methode”. Bereits hier splitten sich die Gruppierungen in die “gekauftes Gläßchen auf = fertig” sowie die “ich koche die Zutaten und pürriere diese selbst” Fraktion. Diese gibt es zusätzlich jeweils in den selbsterklärenden Varianten “Bio” und “Non-Bio”.

 

Es gibt Ernährungsmethoden nach traditionell asiatischer Art (leichtes Gemüse und Reis) oder die fettreiche Ernährung im “Lebertran-Style”.

 

Es gibt Eltern die sich den wasserlöslichen Fertigprodukten hingegeben haben, oder die Sparfüchse die einfach Haferflocken in Wasser aufquellen und dem Baby als Beikost verabreichen.

 

Was davon falsch oder richtig ist, ist nicht wichtig. Groß geworden sind wir schließlich alle und manchmal haben Eltern aufgrund des Gesundheitszustandes des Kindes keine andere Wahl als einen Ernährungsplan zu verfolgen der nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.

 

Entscheidend für den weiteren Verlauf dieser Geschichte ist, was sich meine Freundin als Ernährungsplan für unsere Tochter ausgedacht hat.

 

…::: Essen schockt! :::…essen rockt

 

Dazu müsst ihr wiederum wissen, dass ich mir eine Art Nina-Hagen-Light-Freundin als Lebensbegleitung ausgesucht habe. Durch ihre Art ist mein Leben nicht nur bunter, lustiger und macht es überhaupt erst lebenswert… es ist an manchen Stellen vielleicht auch ein wenig  komplizierter als ich es, von (man könnte sagen “konservativen”) anderen Paaren kenne.

 

Bzgl. der Beikost hatte sich Simone bereits während der Schwangerschaft für die (für mich bis dahin unbekannte) “Baby-Led Weaning” Ernährung entschieden. Da ich mich über das Thema “Baby Ernährung” vorher kaum informiert hatte, blieben mir keine Argument entgegen zu setzen und ich musste die Entscheidung kurzerhand akzeptieren (Fn. 5)

 

In ein paar vorherigen Blogeinträgen hatte ich das Thema hin und wieder am Rande angesprochen. Ziel der Ernährung ist es, dass das Baby/Kleinkind die Nahrung in ihrer Ursprungsform gereicht bekommt. Natürlich unter Berücksichtigung der Nahrungsmittel, die ein Kind im jeweiligen Alter überhaupt zu sich nehmen darf.

 

In unserem Fall hieß dies, dass zu Beginn alles mögliche an Obst & Gemüse auf dem Tisch landete.

 

Teilweise zu Tode gedünstet (Kartoffeln, Möhren), manches aber auch direkt roh (Banane, Birne, Tomate). Jedes Nahrungsmittel wird in (baby-) handgerechte Stücke geschnitten damit das Kind diese selbst greifen und zum Mund führen kann. Das fördert bereits früh die Hand-Augen-Koordination und die gesamte Motorik. Nur einer der angeblich vielen positiven Nebenwirkungen.

 

…::: Nebenwirkungen? Was für Nebenwirkungen?!?! :::…Nebenwirkung

 

Niemals! Nie! Wird das Gemüse zu Brei gematsch/pürriert, auf einen Löffel geschaufelt und dem Kind in den Mund geschoben (Fn. 6). Denn das Kind soll seine Ernährung vollkommen selbst steuern und entscheiden welche Menge es zu sich nimmt. Ebenso soll es lernen wie sich unterschiedliche Strukturen der verschiedensten Nahrungsmittel im Mund anfühlen und wie man diese am besten “zerkaut” (Fn. 7)

 

Einzige Ausnahmen bilden bei uns Gerichte, die nach Zubereitungsart von Haus aus eine Breikonsistenz erfordern. Wie bspw. ein Frühstück aus Haferflocken (wir Sprachfüchse, YEAH!) mit untergemischter Banane.

 

Selbst hier hat meine Freundin die Geduld, den grobkörnigen Brei auf den Löffel zu schaufeln und Viola diesen selbst in die Hand zu geben. (Fn. 8)

 

In 90% der Fällen führt das aktuell noch dazu, dass Viola nicht weiß mit dem Löffel umzugehen und durch Schütteln den nervigen Brei kurzerhand auf den Boden schleudert. Anschließend kann in Ruhe der viel interessantere Löffel inspiziert werden. Essen ist dann Nebensache. Der Brei kann dafür später wunderbar mit dem Mund vom Tisch gesaugt werden.

 

…::: Staubsauger-Modus macht einfach Spaß  :::…Staubsaugermodus

Mittlerweile sind wir über die Phase “Nur weiches Gemüse und Obst” hinaus. Mit zwei Zähnen ist ein vielfältigerer Speiseplan als noch vor wenigen Monaten möglich sodass es bereits babygerechte Pizza, Brot und andere Getreidenahrung gibt. Wichtig dabei ist für uns, dass die Speisen kein Salz enthalten (Fn.9)  Um das zu vermeiden werden eigentlich, wie auch sonst, alle Speisen von Grund auf selbst zubereitet. Wir mahlen zwar glücklicherweise das Mehl für den Pizzateig nicht selbst, aber wir fangen mit allen Babygerichten soweit möglich mit den Grundzutaten an und mischen diese selbst zu einem fertigen Ergebnis.

 

…::: Kowabanga! Pizza-Time! :::…Kowabanga

 

Das hat bisher bereits für viel Gesprächstoff gesorgt, denn Brot ist schließlich schneller gekauft als selbst gemacht, und die “kleine Menge” Salz in den Fertigprodukten kann doch nach Meinung einiger Personen nicht schädlich sein. Ebenso sorgt die gesamte Art der Ernährung immer wieder für fragende Gesichter. Gerade dann, wenn mit anzusehen ist wie unser halber Wohnzimmerboden von Kartoffelstücken, zermatschten Trauben oder zerdrückten Tomaten übersät ist. Die Blicke dabei sind schon fast mitleiderregend und sagen aus “Warum tut ihr euch das an?!”

 

Ich selbst habe natürlich keinen Vergleich und weiß nicht ob es weniger dreckig wird wenn man als Elternteil die fertigen Breimahlzeiten selbst mit einem Löffel aus dem Gläßchen holt und dem Kind auf kreative Art und Weise in den Mund schiebt. Aber es stimmt schon dass es ziemlich anstrengend ist nach dem Essen jedes mal den kompletten Boden, Hochstuhl und Tisch penibel zu reinigen.

 

Noch schlimmer ist die Sauerei, wenn es bspw. einen “Apfel-Mangold-Smoothie” gibt, welcher sich nicht nur abenteuerlich anhört, sondern auch tatsächlich so schmeckt… selbst einem Baby wie unschwer zu sehen ist.

 

…::: Hulk Smoothie :::…Hulk Smoothie

 

Aber der Lohn für den ganzen zusätzlichen (oder wie andere sagen “unnötigen”) Aufwand zahlt sich langsam aus. (Fn. 10)

 

Viola ist mittlerweile soweit, fast jede Malzeit (wenn es nicht gerade Smoothie oder Haferbrei ist) selbstständig zu sich zu nehmen so das wir, seitdem sie alleine im Hochstuhl sitzen kann, als Familie am Tisch sitzen und speisen können. Gerade am Anfang ein unbeschreiblich schönes und befreiendes Gefühl. Solange ständig einer von uns Viola auf dem Schoß festhalten musste, damit sie etwas essen konnte, war es eher ein “nacheinander essen” statt ein “miteinander essen”.

 

#40_WTFNun hat jeder von uns eine warme Mahlzeit zur gleichen Zeit und kann diese in einer größeren Ruhe genießen als vorher. Durch die Luft fliegende Lebensmittel gehören natürlich nach wie vor zum Programm. Und seitdem Nudeln (Fn. 11) mitTomatensauce auf dem Speiseplan stehen, ist die Sauerei nicht weniger aufwändig zu beseitigen, aber das strahlende Gesicht meiner Tochter, wenn sie eine Spiralnudel gepackt bekommen und sich in den Mund geschoben hat, entschädigt mich immer wieder aufs Neue.

 

 

 

 

 

 

Es mag sein, dass es später keine Rolle mehr spielt wie ein Kind im Babyalter bei der Nahrungsaufnahme erzogen wurde, aber ich würde mich immer wieder für Baby-Led Weaning entscheiden und würde jedem ans Herz legen sich zumindest kurz drüber zu informieren. Das Baby erlebt meiner Meinung nach einfach mehr vom Essen als wenn es, gesteuert von den Eltern, mit pürriertem Allerlei gefüttert wird.

 

 

Wenn Viola dann, aufgrund dessen dass wir ihr die Nahrungsaufnahme bereits so früh selbst überlassen haben, später einmal an starkem Übergewicht leidet, dann sehe ich das vielleicht anders, habe aber etwas über das ich in meinem Blog schreiben kann. (Fn. 12)

 

(Fn. 13)

 

Gruß

VideoGameDad

 

Fußnoten Rampage

Fn. 1: Kommentare können sinngemäß gekürzt sein* oder sind frei erfunden**

Fn. 2: Angaben ohne Gewähr

Fn. 3: Ich fand das ursprüngliche Ende von Mass Effect 3 übrigens Weltklasse und mutig. Durch die Entscheidung von BioWare, sich öffentlich zu entschuldigen und ein erweitertes Ende nachzuliefern ist die Edel-Softwareschmiede in meiner Ansicht stark gesunken. Die Entscheidung war absolut unnötig.

Fn. 4: Die Explosionen wirken vielleicht billig produziert, dies geschah aber nur aus Rücksicht auf die Umwelt um nicht unnötiges CGI Benzin verschwenden zu müssen.

Fn. 5: In Wahrheit hatte ich nie eine Wahl, selbst dann nicht wenn ich alle Bücher dieser Welt über Baby Ernährung gelesen hätte.

Fn. 6: Sehr zu meinem Leiden… denn wie habe ich mich auf den “Flieger” Löffel gefreut.

Fn. 7: Am Anfang ist es eher ein “zermalmen”, erst wenn die Zähnchen da sind wird es ein “kauen”

Fn. 8: Richtig gelesen, ich habe die Geduld nicht weshalb es bei mir zum Frühstück partout keinen Brei geben wird. Niemals! Nie!

Fn. 9: Die jungen Nieren können Salz schwer bis gar nicht verwerten. Meist wird von Ärzten empfohlen bis zum 10. Lebensmonat auf Salz zu verzichten. Wir haben für uns entschieden das komplette erste Lebensjahr auf Salz zu verzichten.

Fn. 10: Auch hier fehlen mir natürlich die Vergleichsmöglichkeiten.

Fn. 11. : Dank Elternzeit erlaube ich mir momentan sogar den Luxus, Nudeln komplett selbst herzustellen. Ein Gedicht! Ich empfehle jedem mindestens ein Mal im Leben selbst Nudelteig zu machen.

Fn. 12: Wenn der Blog dann noch existiert und ich die Namensrechte nicht verkauft habe.

Fn. 13: So ganz glücklich bin ich mit der Methode natürlich nicht. Als wir letztens das erste Mal in einem richtigen Restaurant waren (quasi unsere Feuerprobe) bin ich fast im Boden versunken als Viola in ihrem Hochstuhl bei uns am Tisch saß und freudestrahlend die selbst mitgebrachten Kartoffeln (erfahrungsgemäß die mit am wenigsten Dreck) durch die Luft schleudert. Ich musste jedes noch so kleine Kartoffelstück sofort vom Boden aufheben und hätte mich vermutlich bei allen Gästen sofort entschuldigt… zum Glück speisten wir in einem chinesischen Restaurant wo wir die einzig deutsch sprechenden Gäste waren.

 

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