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#43 – Kapitel E wie Elternzeit

Von am Aug 25, 2014 in Blog

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Da ist es passiert. Nach 66 Tagen Elternzeit ist auch die schönste Zeit in diesem Jahr einmal vorbei.

 

Nach den letzten 9 1/2 Wochen habe ich nicht nur eine interessante Zeit mit meiner Tochter und meiner Freundin verbringen können, sondern auch viel über mich selbst und meine Rolle als Vater erfahren.

 

Auch wenn ich vorher schon 8 Monate das Gefühl des “Vaterseins” erleben durfte, war die Elternzeit eine völlig neue Situation. Dass ich mich im Vorfeld ausreichend informiert und sogar einen kleinen Schlachtplan entworfen hatte sollte mir in keiner Weise behilflich sein… denn es ist alles anders gekommen als gedacht.

 

Im Folgenden möchte ich mit euch einige meiner “gedanklichen Fehlgriffe” zum Thema Elternzeit teilen. Zwar handelt es sich auch hier nicht um ein Allheilmittel oder um die einzig absolut wahre “Bibel der Elternzeit”, aber vielleicht hilft es dem ein oder anderen Vater, der irgendwann in Elternzeit gehen möchte, seine Ansprüche im Vorfeld ein klein wenig besser anpassen zu können als ich es getan habe. Für die weiblichen Mitleser kann/darf und will ich nicht sprechen, aber ihr könnt gerne den Text ausdrucken und eurem Mann unter die Nase halten.

 

Väter die bereits ein paar Level weiter in der Kindererziehung feststecken erkennen vielleicht ein paar Situationen wieder und werden sich das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen können.

 

Viel Spaß mit einem kleinen Auszug aus dem Kapitel “E wie Elternzeit” meines Buches “VideoGameDad Walkthrough – Level 1 – Die Komplettlösung für das erste Jahr Vatersein”

 

Das komplette Buch erscheint dann irgendwann wenn ich arbeitslos bin, meine Tochter in die Ganztagsschule geht und meine Freundin mit dem Yogalehrer unterwegs ist.

 

#43_Treppe

 

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– Kapitel E wie Elternzeit –

 

Damit man(n) als Vater nach der Geburt nicht komplett leer ausgeht (immerhin kümmert sich die Mutter in der ersten Zeit besonders intensiv um das Neugeborene und erhält im Alleingang die ganzen Kudos Punkte), hat der deutsche Gesetzgeber mit einigen papafreundlichen Regelungen für Möglichkeiten zum Punkteausgleich gesorgt. So ist es in unserer Welt der Gleichberechtigung seit 2007 möglich, auch als Vater in Elternzeit zu wechseln UND dabei Elterngeld beziehen zu können. Das ganze erfreulicherweise als Lohnersatzleistung statt als Sozialleistung wie es vorher der Fall war.

 

Und obwohl das Gesetz deutlich umfangreicher ist als von mir hier widergegeben, konzentriere ich mich auf die Variante, die wohl von den meisten Familien genutzt wird:

 

Die Frau tritt die ersten 12 Monate nach der Geburt des Kindes die Elternzeit an und bezieht Elterngeld. Der Vater nimmt sich 2 zusätzliche Monate im ersten Lebensjahr des Kindes und beantragt ebenfalls Elterngeld. Dies sind die so genannten “Pärchenmonate”.

 

Ich für meinen Teil hatte bereits vor der Geburt mit meiner Freundin abgesprochen, meine 2 Monate Elternzeit unter Bezug von Elterngeld, erst relativ spät innerhalb der ersten 12 Lebensmonate meiner Tochter zu nehmen.

 

Der Grund ist so einfach wie er egoistisch ist: In den ersten Lebensmonaten ist ein Baby zwar alles andere als langweilig, aber die Interaktionsmöglichkeiten sind aufgrund des eingeschränkten Festplattenspeichers und der langsamen CPU Geschwindigkeit eher als gering zu beschreiben. Außer schlafen, trinken und kacken beherrscht die noch junge Hardware kaum andere Programme oder Routinen.

 

Beim schlafen kann ich nur zusehen und zum Füttern fehlen mir als Mann die sekundären Geschlechtsorgane… zumindest solche mit Funktion.

 

Einzig beim Windelnwechseln konnte ich behilflich sein.

 

In meinen Augen viel zu wenig um den kostbaren Gutschein “zwei Monate bezahlte Elternzeit” so früh einzulösen. Meine Freundin hat die Entscheidung im Nachhinein zwar bereut, denn die Hilfe durch meine Anwesenheit wäre auch in anderen Bereichen außer Windelwechseln mehr als willkommen gewesen, aber der Entschluss stand bei dieser Erkenntnis bereits fest.

 

Und so reichte ich den Antrag auf Elternzeit für den 8. und 9. Lebensmonat meiner Tochter ein.

 

…::: YEAH!!! Elternzeit geht los !!! :::… #43_buchlesen

 

Glücklicherweise lagen die zwei Lebensmonate genau in den Sommerferien, sodass sowohl die Chance auf schönes Wetter bestand und ich gleichzeitig die Gewissheit hatte, dass bei meinem Arbeitgeber aufgrund der Branche eine Art “Sommerloch” eintritt und sich der Großteil unserer Kunden im Urlaub befindet. Das geringere Arbeitsaufkommen in diesem Zeitraum war für meinen Kollegen, der die Vertretung übernahm, etwas leichter zu stemmen als vielleicht zur Hauptgeschäftszeit im Jahr.

 

Doch was genau die Elternzeit eigentlich bedeutet, dass lernte ich erst als diese bereits in vollem Gange war.

 

Klar hat man seine Vorstellungen oder vielleicht sogar Freunde/Kollegen, die selbst erst Elternzeit hatten und mit schlauen Tipps daherkommen. Aber es ist wie mit Mutters Belehrung in der eigenen Kindheit… die Weisheiten werden erst verstanden, wen der Drops gelutscht ist.

 

Trotz der Gefahr, dass ihr das folgende Kapitel einfach überspringt, weil ihr der Meinung seid sowieso alles besser zu wissen, mache ich mir die Mühe euch ein paar meiner größten Irrtümer zum Thema “Elternzeit” zu offenbaren.

 

Habt ihr schon damals auf eure Mutter gehört, so besitzt ihr die Superkraft mit den Hinweisen etwas Anständiges anzufangen. Die Macht ist stark in euch! Immerhin habt ihr euch diesen Ratgeber selbst gekauft oder er wurde euch in der Annahme geschenkt, ihr könnt ihn sinnvoll verwenden… oder aber, weil nix anderes für 10 EUR auf dem Grabbeltisch lag.

 

Irrglaube Nr. 1 – In der Elternzeit ist man arm wie ein Bettelknabe

 

Sicher ein schwieriges Thema, denn das ausgezahlte Elterngeld richtet sich nach dem Durchschnittsgehalt der letzten 12 Monate und beträgt grob 65% vom Nettoeinkommen.

 

Wer hohe Lebenserhaltungskosten hat, aber einen geringen Verdienst, für den ist die Elternzeit eine ganze andere Situation als für jemanden mit durchschnittlichem oder hohem Einkommen. Es gibt also keinen “Super-Tipp” der euch plötzlichen Reichtum beschert und wenn doch wäre ich aktuell zu beschäftigt mit Geldzählen als euch davon zu berichten.

 

Auch ich hatte beim Bekanntwerden der Schwangerschaft im Frühjahr 2013 den unausweichlichen Gedanken, ob wir uns die Elternzeit überhaupt leisten können. Es war für mich nicht sofort ersichtlich, wie meine Freundin für 3 Jahre in Elternzeit gehen kann (wobei nur 12 Monate davon bezahlt sind) und ich zusätzlich zwei Monate Auszeit nehme, ohne das wir am finanziellen Abgrund leben und auf die Straße ziehen müssen.

 

Das Zauberwort für Leute mit einem moderaten Einkommen heißt an dieser Stelle dann wohl “Sparen”. Im Idealfall erfahrt ihr frühestens 9 Monate vor der Geburt von eurem Familienglück. Wer also seine Pärchenmonate zusammen mit der Frau nehmen möchte, hat ab diesem Zeitpunkt 9 Monate lang die Möglichkeit dazu, Geld auf die Seite zu legen.

 

Das finanzielle Polster sorgt bereits für eine deutliche höhere Vorfreude auf die gemeinsame Elternzeit und für weniger Sorgen. Niemand will sich freiwillig die Frage stellen ob der dauerhafte Verzehr von Kohlsuppe erst nach zwei oder drei Wochen zum Erbrechen führt.

 

Generell ist natürlich bei einem Kind das Sparen angesagt. Aber im Falle der Elternzeit sollte einfach besonders Wert auf die Konsequenz gelegt werden.

 

Irrglaube 2 – In der Elternzeit MÜSSEN wir (möglichst weit weg) verreisen!

Trotzt Finanzpolster war für uns keine Urlaubsreise im Budget enthalten. Allerdings stand derartiges auch nie zur Debatte.

 

Ich bin der Meinung, dass es mehr bringt sich mit kindgerechten Ausflugszielen in der unmittelbaren Umgebung zu beschäftigen. Denn das Auskundschaften von Spielplätzen oder anderen abenteuerlichen Plätzen wie Streichelzoo, Kinderschwimmbad & Co helfen so im späteren Elterndasein auch dabei, spontane Wochenendausflüge zu nahegelegenen Zielen zu unternehmen.

 

Wer von euch Vätern kannte vor der Geburt seines Kindes alle umliegenden Spielplätze? Oder wusste ohne Hilfe von Anderen wo das nächste Schwimmbad mit Babybecken ist? Wann hat der Streichelzoo im nahegelegen Tierpark geöffnet?

 

…::: Die anderen Kinder im Zoo sind interessanter als die Pinguine :::…#43_zoo2

 

Einem Baby in dem Alter ist es Scheiß egal ob auf Malle oder auf dem Spielplatz um die Ecke zusammen im Sand gespielt wird.

 

Die Eltern ziehen ihre Erholung und die Zufriedenheit während der Elternzeit sowieso nicht aus der gewonnenen Freizeit, sondern aus dem Erlebten. Klingt komisch! Ich weiß! Ich wollte das anfangs von mir selbst nicht glauben… ist aber so.

 

Womit wir auch direkt zum nächsten Punkt kommen:

 

Irrglaube Nr. 3 – Elternzeit ist nicht gleich Urlaubszeit

 

Ich muss ja zugeben, hier lag mein Anspruch echt am Weitesten von der Realität entfernt.

 

Meine “To-Do Liste”, die ich für den Blog zu Papier gebracht hatte zeigte nur einen Bruchteil von dem, was ich mir tatsächlich im Kopf vorgenommen und zum Selbstschutz nie ausgesprochen habe. Bei einer Gegenüberstellung wären es vermutlich nicht einmal 5% der Dinge, die ich für mich persönlich erfolgreich als “erledigt” abhaken konnte.

 

– Ein neues Design für meinen Blog.

– Umsetzen von verschiedenen Fotoprojekten die mir seit 2 Jahren nicht aus dem Kopf gehen.

– Mich mehr mit meinen Bildbearbeitungsprogrammen zu befassen…

– … und wenn das erledigt ist mit Videoschnittprogrammen anfangen.

– Endlich mal wieder eine meiner fünf leeren Leinwände (die im Keller stehen) mit einem Bild bepinseln.

– Alle ungezockten Games durchzocken.

– Alle ungeöffneten Filme aus der Folie holen und angucken.

 

… und viele weitere solcher Punkte.

 

Alles Aktivitäten, denen ich überwiegend nur alleine nachgehen wollte. Und genau hier lag mein Denkfehler.

 

Elternzeit ist keine “Zeit für sich”. Es ist Zeit mit der Familie!

 

Und zu meiner positiven Überraschung habe ich das schneller begriffen als es dem “VideoGameKid” in mir vielleicht lieb war.

 

Selbst wenn es möglich gewesen wäre hätte ich es nicht übers Herz gebracht mich tagsüber in meinem (nicht vorhandenen) Zockerzimmer, meine Garage oder bei einem Kumpel einzuquartieren und den eigenen Hobbys zu frönen. Wenn Simone mir gesagt hat, dass sie zwei Stunden mit Viola auf den Spielplatz geht, war der Wunsch mitzugehen größer als sich in der Zeit vor die Konsole zu schmeißen. Wieder einer dieser “WOW-Momente” in denen ich schlichtweg von meinen eigenen Gefühlen überrascht wurde.

 

Versteht so schnell es geht, dass ihr die einmalige Chance erhaltet eine Zeit mit eurem Kind zu erleben, wie ihr sie anschließend NIE WIEDER erleben werdet. Gerade im ersten Jahr, ganz gleich wann ihr euch für die Elternzeit entscheidet, lernt das Kind im Minutentakt die Welt für sich kennen und ihr könnt wortwörtlich beim Heranwachsen zusehen. Großartig! Jeder Moment wirkt wie eine Sonnenfinsternis, die nur einmal im Leben zu sehen und nach wenigen Sekunden vorbei ist.

 

Es war für mich also vollkommen okay, dass ich meine eigenen Ansprüche erstmal ganz nach hinten auf meine Liste setzte. Meine Wünsche müssen ja nicht verschwinden. An sich selbst zu denken ist kein Verbrechen, aber mein emotionaler Verstand ließ es glücklicherweise nicht zu mich dauerhaft ins Nebenzimmer zu verpissen während nebenan meine Tochter beginnt den Unterschied zwischen Hund und Affe zu begreifen.

 

…::: Für ihre 10 Monate schon ziemlich schlau! :::…

Außerdem ist da ja neben dem Kind auch noch der Partner da, der sich vielleicht ebenfalls darauf gefreut hat während der Elternzeit nicht mehr komplett alleine für die Betreuung des Kindes zuständig sein zu müssen.

 

In unserem Fall hat sich Simone immerhin die ersten 7 Monate an 5 Tagen die Woche vollkommen alleine um Viola gekümmert… aber das ist ja eigentlich keine richtige Arbeit… oder?…

 

Irrglaube Nr. 4 – “Ein Baby ist keine Arbeit”

 

Was habe ich mich die letzten Monate vor der Elternzeit hin und wieder geärgert, wenn ich nach einem langen Arbeitstag durch die Wohnungstür gekommen bin und mir wurde sofort ein schreiendes Kind in die Arme gedrückt. Nach zwei weiteren Schritten und einem Tritt auf ein herumfliegendes Spielzeug gesellte sich dann die Erkenntnis dazu, dass der Flur noch immer nicht gesaugt ist und an ganz schlimmen Tagen war kein Essen gekocht oder es wurde sogar vergessen die entsprechenden Zutaten aus dem Gefrierschrank zu holen.

 

Irgendwo war es für mich zu dem Zeitpunkt unverständlich, wie Simone es nicht hinbekommt “mal eben” die Wohnung durchzusaugen oder mit dem Essen wenigstens schon mal anzufangen. Das war doch das Mindeste was ich erwarten konnte während ich den ganzen Tag auf der Arbeit war.

 

Schließlich ist Simone doch den ganzen Tag “nur” mit dem Baby zu Hause und “ein Baby ist doch keine Arbeit”! Oder?! Im Gegenteil! Sie hat den Spaß und ich muss schuften.

 

Schon lange habe ich mich nicht mehr so geirrt.

 

In der Elternzeit haben wir uns im zwei Tages-Wechsel jeweils alleine am Vormittag um Viola gekümmert. Während der eine ausschlafen und gemütlich gg. Mittag wach werden konnte, ist der andere von uns mit Viola beim ersten Sonnenstrahl aufgestanden und hat das morgendliche Unterhaltungsprogramm übernommen.

 

…::: Noch sind sie am schlafen… aber die Ruhe täuscht :::…#43_schlafen

 

Ich hatte keine Ahnung wie anstrengend es ist um 06:30 Uhr aufzustehen, das Baby zu Waschen und Wickeln, das Frühstück zuzubereiten und anschließend putzmunter im Kinderzimmer mit der Tochter zu spielen bis diese dann gg. 10:00/11:00 Uhr den ersten freiwilligen Vormittagsschlaf antritt.

 

Ich habe es weder geschafft die Wohnung zu saugen, noch hätte ich ein anständiges Essen zaubern können wenn die Zeit es verlangt hätte. Ich habe es teilweise nicht einmal geschafft den Esstisch abzuwischen nachdem Viola ihr Frühstück zurück in die Bestandteile zerlegt und auf dem ganzen Tisch/Boden verteilt hat. Denn nach dem Frühstück musste ich ein eingesautes Baby grundreinigen und konnte es anschließend nicht mehr absetzen weil es sonst die Wohnung demontiert hätte oder unmittelbar anfing zu heulen (wir hatten in der Elternzeit die Klammerphase).

 

Teilweise war ich so müde, dass ich mich im Kinderzimmer einfach nur neben meine Tochter gelegt, und ihr wie einem Affen im Zoo ab und zu ein neues Spielzeug vor die Füße geschmissen habe. Stets in der Hoffnung sie beschäftigt sich schon irgenwie alleine mit dem “Lustige Tiere” Buch solange ich daneben liege.

 

Nachdem ich dann eine halbe Stunde vor mir hinvegetiert hatte, fühlte ich mich wie der schlechteste Vater der Welt, weil ich es nicht mal gebacken bekomme mich anständig mit meiner Tochter zu beschäftigen.

Klar ist es vollkommen okay, wenn sich das Kind einfach mal ein wenig selbst beschäftigt, schließlich fördert das auch in irgendeiner Form die Wahrnehmung….?! oder soziale Intelligenz…?! Sind Ärzte anwesend?

 

Aber trotzdem ließ mich das schlechte Gewissen nicht los und ich musste mich bei meiner Tochter mit einem dicken Kuss entschuldigen und habe die nächsten Stunden das beste Unterhaltungsprogramm abgezogen welches sich ein Baby in dem Altern wünschen kann.

 

Mit Erfolg! Viola hat in der Elternzeit, auch dank ihres Alters, viele neue Dinge erlernt und es erfüllt einen mit Stolz wenn man plötzlich eine “stumme” Antwort auf seine Fragen bekommt.

 

…::: Hör auf dich selbst zu essen :::…#43_ess_dich_selbst

 

Sobald Simone gg. Mittag wach wurde, war ich trotzdem irgendwo froh ihr Viola nach 6 spaßigen Stunden in den Arm zu drücken und mich für eine Stunde ins Bett schmeißen zu können.

 

An dieser Stelle möchte ich also meine absolute Hochachtung an alle Mütter und Väter aussprechen, die sich zur Vollzeitbetreuung des eigenen Nachwuchses verpflichtet haben.

 

Es war töricht von mir zu glauben, dass diese Tätigkeit eher einer angenehmen Freizeitaktivität entspricht als harter Arbeit.

 

Nie wieder will ich nach der Arbeit einen schlechten Gedanken daran verschwenden, warum die Wohnung nicht aufgeräumt ist, ich das Essen kochen muss oder die Wäsche noch in der Waschmaschine liegt statt auf dem Wäscheständer hängt.

 

Wer also beim nächsten mal nach der Arbeit ein schreiendes Baby in die Hand gedrückt bekommt, sollte seinem Partner sofort ein warmes Bad einlassen, die Karte des Lieblingslieferservice raussuchen und sich für die wenigen paar verbleibenden Stunden vor dem zu Bett gehen um sein Kind kümmern.

 

Es gibt immerhin viel zu verpassen und so schwer es einem manchmal durch eigenen Stress fallen mag, es gilt jede Minute mit der Familie zu genießen.

 

…::: Junges Elternglück – EINFACH WAHNSINN :::…#43_schwimmbad

 

Irrglaube Nr. 5 – “Auch wenn du es gewonnen hast, ist es noch immer nicht fair”

 

Eine meiner Schwächen ist die Teilname an Gewinnspielen. Wenn ich kein Geld für etwas habe, suche ich gezielt nach einer Möglichkeit das Objekt der Begierde irgendwo gewinnen zu können.

 

Ganz gleich ob ein Anruf beim Radio oder einfaches Versenden von persönlichen Daten per Mail… ich bin für alles zu haben wenn ich “Hunger” habe. Und da bei uns zu Hause oft das Radio läuft um irgendwie die Ausagen der GEZ Gebühren zu rechtfertigen, bekomme ich von dem ein oder anderen Gewinnspiel mit ohne danach zu suchen. Auf andere wie bspw. den Mailversand wird man dann beim abendlichen surfen durch das WWW von ganz alleine aufmerksam. Es mag eine Sucht sein, aber keine die uns/mir wirklich schadet… denn Probleme gab es im Erfolgsfall noch nie.

 

Aber mit den Verpflichtungen einer Familie gegenüber und dem Versprechen alles gemeinsam durchzustehen ergeben sich Problemsituationen über die ich erst nachgedacht habe als es bereits zu spät war. Denn was, wenn der Gewinn nur von einem Partner wahrgenommen werden kann? Und dieser eine Partner in 100% der Fällen ich bin?… Unfair?… Ein bisschen!

 

Einer dieser spontanen Gewinne war ein Kinobesuch zur englischen Premiere des Kinofilms “Guardians of the Galaxy”. Zum Glück nicht direkt in London sondern nur eine Liveübertragung der Premiere und des Films in einem Kino hier in der Nähe. Aber das Thema “Kino” ist seit Violas Geburt für Mone und mich eine der am meist ersehnten Unterhaltungsmöglichkeiten die uns fehlen.

 

Ein Kinobesuch im Alleingang kam für mich aus Solidarität und Ehrgefühl nicht in Frage.

 

Einen Gewinn dieser Kategorie (Premiere EINEN MONAT! vor allen anderen!!!) konnte aber selbst ich nicht einfach verfallen lassen. Also musste ich Mone beim Frühstück von meiner Schandtat berichten und konnte mich gerade noch retten indem ich versprach nie wieder bei einem solchen Gewinnspiel teilzunehmen und ihr die größte Portion Popcorn aus dem Kino mitzubringen die ich für Geld kaufen konnte.

 

Der Kinobesuch war natürlich fantastisch und der Film ein Hochgenuss! Ich kann an dieser Stelle jedem einen Besuch in “Guardians of the Galaxy” bedingungslos empfehlen. Für mich der Beste Marvel-Film seitdem das Studio die eigenen Comics verfilmt.

 

Knapp 5 Wochen später allerdings, es ist genau eine Woche vor dem offiziellen Kinostart von “Guardians of the Galaxy” in den deutschen Kinos, gab es ein weiteres Gewinnspiel bei einem lokalen Radiosender um Kinokarten für die Deutschland Premiere (diesmal eine Woche vor Kinostart) zu gewinnen… ich habe keine Ahnung was mich in dem Moment geritten hat, aber ich saß bei Viola im Zimmer, nahm das Telefon in die Hand und wählte die Hotline des Radiosenders. Keine drei Freizeichen später hatte ich eine nette Frauenstimme am Telefon die mir zu meinem Gewinn von zwei Kinokarten gratulierte…

 

“SHIT!… wie bringe ich das Mone bei…”

 

Einer kurzen berechtigten Standpauke später und dem erneuten Versprechen die größt mögliche Portion Pocorn die man für Geld kaufen kann mitzubringen, hatte ich die “Sondererlaubnis” mit meinem kleinsten Bruder den Gewinn einlösen zu können.

 

Auch wenn das schlechte Gewissen bei dem geilen Film nicht ganz so präsent war wie ich es hier gerne zugeben würde, im Nachhinein ist das Ganze tatsächlich etwas unfair gelaufen.

 

Sollte also eure Frau das gemeinsame Kind komplett alleine stillen, dann empfehle ich: Lasst die Finger von Gewinnspielen die ihr bei Erfolg nur alleine (sprich ohne Partnerin und Kind) wahrnehmen könnt.

 

Zum Glück habe ich wenige Tage vorher nicht an dem “Wir schicken dich für eine Woche nach Ibiza”  Gewinnspiel teilgenommen. Soviel Popcorn wie ich da hätte kaufen müssen kann keine Maschine der Welt produzieren.

 

…::: Endlich wieder Kinoluft :::…Kinobesuch

 

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Ich könnte wohl noch ein klein wenig so weiter machen. Aber ich denke für einen Blogeintrag ist die jetzige Länge schon herausfordernd lang.

 

Als Essenz bleibt bis hierhin wohl festzuhalten:

 

– Legt euch früh genug Geld zur Seite, sonst fühlt sich die Elternzeit an wie Arbeitslosigkeit

– Macht euch KEINE Liste von persönlichen Dingen, die ihr in der Elternzeit erledigen wollt

– Macht euch auch KEINE Liste von Dingen die ihr gemeinsam unternehmen wollt. Bleibt spontan, denn wenn jemand aus der Familie krank wird (oder alle!) ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

– Egal welches Modell oder welche Marke, kauft euch eine Digitalkamera (sei sie noch so günstig oder klein) oder habt wenigstens ein aufgeladenen Smartphone in der Nähe.

– macht mit der Kamera/dem Smartphone Fotos am laufenden Band. Gelöscht werden kann immer noch.

– Nehmt euch noch mehr Zeit für den Partner als vor der Elternzeit, die Beziehung wird es euch danken.

– Zeit für euch selbst kommt von ganz alleine. Meist wollt ihr diese dann aber doch lieber mit der Familie oder der Partnerin verbringen.

– Macht euch Notizen von dem was ihr erlebt. Auch wenn ihr euch sagt “DAS war so süß! Das werde ich nie wieder vergessen!” werdet ihr euch zwei Tage später ärgern weil das Erlebte nicht mehr vollständig da ist.

 

Und das aller Wichtigste:

 

– Habt Spaß an jedem Tag! Und wenn es einmal nicht ganz so gut läuft, lest euch eure Notizen durch, schaut euch die Fotos der letzten Tage an und wenige Minuten später ist der ganze Ärger vergessen.

 

Gruß

VideoGameDad

 

…::: Es war traumhaft!!! Danke ihr beiden Süßen – Ich liebe euch! :::…#43_kuss

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