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#45 – Mimimi & Zeitmanagement

Von am Sep 15, 2014 in Blog

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Würde ich meine letzten zwei Wochen als Computerspiel veröffentlichen, wäre es vermutlich eines dieser Zeitmanagement Spiele, die damals Anfang der 80iger mit “Root Beer Trapper” ihren Anfang nahmen und heute auf den Tablets und Smartphone eine Wiedergeburt erleben.

 

…::: 1983 – Root Beer Trapper lässt keine Atempause :::…RootBeerTapperGameplay

 

Ähnlich wie aktuell bei “Sandys Friseursalon” oder “Lucys Manikürestudio” müsste der Spieler in meinem Game dafür sorgen, dass innerhalb kürzester Zeit sowohl der Papierkram auf der Arbeit erledigt wird, das Servicetelefon nicht öfter als 2x klingelt weil sonst die Kunden unzufrieden sind und bspw. Pakete von den Trillionen Paketlieferanten entgegengenommen werden. Sobald der Arbeitstag beendet ist, geht es nahtlos mit der selben Energieleiste in den nächste Levelabschnitt nach Hause.

 

Dort fallen dann beliebige Haushaltstätigkeiten an, die bei nicht fristgerechter Erledigung zu unangenehmen Konsequenzen führen. Saugt man nicht rechtzeitig Staub, frisst das Baby den Dreck vom Boden und wird krank. Saugt man allerdings zu lange die Wohnung, vernachlässigt man die Bespaßung des Babys und es fängt an zu heulen. Das wiederum sorgt für Stress bei der Freundin die in der Küche steht und Essen kocht (außer man spielt auf Hardcore und hat die Aufgabe auch übernommen) wodurch die Abendspeisen an Geschmacksqualität verlieren und die Familie ungestärkt ins Bett geht.

 

Am Ende des Tages gibt es eine Abrechnung der geleisteten Tätigkeiten und es entsteht eine Highscore deren Punkte im Anschluss innerhalb eines In-Game-Shop entweder für unterhaltsame Tätigkeiten oder erholsame Aktivitäten eingetauscht werden können. Je nach gewählten Upgrades im Shop ist der Charakter für den nächsten Tag dann etwas schneller beim Leisten der Arbeit oder kann aufgrund erhöhter Erholsamkeitsatribute mehrere Aktivitäten gleichzeitig bewältigen. In der Version für Pro Gamer würden Ereignisse in die Schlusswertung einfließen, die auch zu negativen Wertungen führen könnten.

 

Investiert der Spieler bspw. mehr Zeit in die Tätigkeiten auf der Arbeit, hat er bei der Schlusswertung zwar mehr Punkte bei “finanzielle Sicherheit” und braucht sich nicht vor negativen Abzügen aufgrund vernachlässigter Kundenkontakte fürchten, es fehlt aber im zweiten Levelabschnitt an Zeit mit der Familie. Sowohl die häuslichen Tätigkeiten als auch die sozialen Kontakte zu Baby und Frau werden vernachlässigt. Die Minuspunkte an diesem Spielabend sind somit “-10 Punkte” weil die Frau mit Baby auf dem Arm essen kochen musste, weitere 40 Punkte Abzug, weil die Tochter an diesem Tag ihren Vater nicht gesehen hat und letzten Endes wenn es ganz schlecht läuft 60 Punkte Abzug weil am Abend kurz vor der Tagesschlussrechnung eine Diskussion mit der Frau entbrannte, die zusätzlich für innere Unzufriedenheit bei der Spielfigur sorgt. Wie der Spieler sich auch anstrengt, es scheint nicht möglich zu sein einen Tag mit 100% fehlerfrei zu beenden.

 

…::: Vielleicht sollte ich eine „VideoGameDad Version“ dieser Spiele ernsthaft in Betracht ziehen :::…honey

 

Ganz so schlimm würde ich meine letzten zwei Wochen zwar nicht beschreiben, aber ich denke viele Väter erkennen sich in dem Protoypen des oben beschrieben “VideoGameDad – The Game” wieder.

 

Dabei habe ich noch nicht ganz verstanden woher dieses Problem im Zeitmanagement genau kommt. Vor der Elternzeit hat es doch auch “irgendwie” geklappt?! Aber jetzt, nachdem ich wieder knapp einen Monat in der Arbeitswelt stehe habe ich das Gefühl die Elternzeit hat Spuren hinterlassen, die alles irgendwie ein wenig schwieriger gestalten.

 

Vielleicht habe ich erst durch die Elternzeit verstanden, was es bedeutet wenn man +9 Stunden am Tag zu Hause fehlt. Was ich dann alles verpassen könnte! Welche neuen Entdeckungen meine Tochter in dieser Zeit mit ihren Augen macht! Und welche neuen Wahrnehmungen sich zum bereits Erlebten gesellen…

 

Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht leugnen wieviel Spaß es mir wieder macht arbeiten zu gehen. Nach zwei Monaten Elternzeit war es für mein persönliches Empfinden einfach wieder an der Zeit sich in den Kundenkontakt zu stürzen. Wie schnell will ich kurz vor Feierabend “nur noch eben” eine Mail schreiben oder verquatsche mich mit Kollegen/dem Kunden in einer spannenden Projektplanung. Ehe ich mich versehe verrät mir ein Blick auf die Uhr, dass ich wieder 50 Minuten später als geplant nach Hause komme.

 

Die “Verantwortung” die man als Vater innerhalb seines Jobs hat, verändert sich spürbar sobald die Familie zu Hause auf einen wartet. Es ist nicht wie früher innerhalb einer kinderlosen Beziehung, wo bei längeren Arbeitssessions das Essen “halt erst” um 21 Uhr auf dem Tisch steht, oder um 23 Uhr eben kurz der Staubsauger angeschmissen wird. Im Idealfall hat zu der Zeit auch die Freundin bis spät in den Abend gearbeitet und man hat sich quasi um 20 Uhr an der Haustür getroffen oder sogar gegenseitig von der Arbeit abgeholt.

 

Jetzige Überstunden fallen allerdings heftiger ins Gewicht, denn die Zeit fehlt zu Hause und sorgt bei der auf Hilfe wartenden Freundin für Frust und übt somit, selbst wenn die Freundin das gar nicht will und/oder böse meint, ungewollt Druck auf den arbeitenden Vater aus. Und natürlich ist da auch noch die kleine Tochter, die in meinem Fall mit ihren 11 Monaten vielleicht noch nicht im vollen Umfang versteht was es bedeutet wenn Papa weg oder zu Hause ist. Für sie ist es aktuell vollkommen ausreichend wenn sie nicht alleine in ihrem Zimmer spielen muss. Ganz gleich ob Mama oder Papa die Synchronsprecherrolle für die Stofftiersammlung übernehmen. Aber irgendwann, vielleicht sogar jetzt im Unterbewusstsein des Kindes, beginnen sich meine Anwesenheit und Abwesenheit auf die Wahrnehmung meiner Tochter auszuwirken… und hier habe ich aktuell einfach die Angst den Moment zu verpassen und “nur der Papa” zu sein. Der Papa, der mal zu Hause ist und manchmal nicht, aber seine Anwesenheit ist aus Sicht des Kindes nicht entscheidend für die Lebensfreude die es verspürt. Vielleicht ist diese Angst für mich nicht ganz unbegründet… denn ich habe diese Emotion, so traurig das auch klingt, damals als Kind am eigenen Leib gespürt und schäme mich jetzt dafür obwohl ich, dass ist mir bewusst, selbst nicht für diese Gefühle verantwortlich bin.

 

Ich hoffe, wenn Viola diesen Artikel in 18 Jahren liest, nimmt sie mich in den Arm und sagt mir das meine Angst vollkommen unbegründet war und ich ein toller Vater bin.

 

Gruß

VGD

 

…::: Haters gonna Hate – Mimimimi Blogeintrag :::…mimimi

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