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The Talking Dad # 01 – Der Dienst am Kinde geht vor

Von am Mrz 28, 2014 in The Talking Dad

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VideoGameDad.de soll nicht nur unterhalten, sondern auch ganz klar die Nachricht verbreiten, dass zockende Eltern kein Einzelfall sind und sich das Hobby “Games & Co” durchaus erfolgreich mit einem Familienleben kombinieren lässt.

Das dies vielleicht nicht immer ganz einfach ist, konntet ihr in den letzten Wochen bzw. könnt ihr zukünftig in den persönlichen Blogeinträgen des VideoGamDad (VGD) nachlesen.

Aber wie ergeht es eigentlich anderen “VideoGameDads” oder „VideoGameMoms“ dieser Welt?

“The Talking Dad” ruft eine persönliche Sprechstunde für Mütter und Väter ins Leben und präsentiert euch in unregelmäßigen Abständen neues Lesefutter für die Seele.

Denn es heißt schließlich “Geteiltes Leid ist halbes Leid”.

Den Anfang macht ein treuer Leser der ersten Stunde.

The Talking Dad 01

VGD: Hallo Dennis, danke für das Interview.

Dennis: Hallo Christian, sehr gerne. Freut mich, dass es geklappt hat.

VGD: Stelle dich und deine Familie doch bitte in ein paar Worten vor.

Dennis: Ich bin 34 Jahre alt, glücklich verheiratet und seit 7 Monaten stolzer Vater eines prächtigen Knabens. Daher kann ich deine wöchentlichen Erlebnisberichte sehr gut nachvollziehen und erlebe den Wahnsinn am eigenen Leib täglich mit. Im Real-Llife arbeite ich als Softwareentwickler am schönen Bodensee und besitze seit ich denken kann eine große Affinität zu Computern und Videospielen.

…::: Aus dem Leben eines ganz normalen Zockers :::…ttd001_01

 

VGD: Wie hat sich nach deinem Empfinden dein Zockerleben im direkten Vergleich zu damals durch die eigene Familie verändert?

Dennis: Es hat sich natürlich einiges geändert. Zocken findet bei mir mittlerweile vornehmlich in den Abendstunden statt. Durch den akuten Freizeitmangel den so ein Baby mit sich bringt, muss reiflich überlegt werden wie die kostbaren Stunden investiert werden. Zum Glück unterstützt das aktuell magere Spiele Lineup der Next-Gen Konsolen den jungen Vater bei dieser vermeintlich schwierigen Aufgabe. Der X-te Aufguss alter Spieleserien jeglicher Art lockt mich heute nicht mehr wirklich vor die Konsole. Ausnahmen bilden hierbei klassische Sportspiele wie FIFA und NBA2k. Beide rotieren gelegentlich, aktuell mit der Jahreszahl 2014, in dem Laufwerk meiner Xbox One. Als krönenden Wochenabschluss gibt es seit kurzem Freitag Abend mit dem VideoGameDad eine Runde Garden Warfare. Da ich jeden Tag mit der Fähre zur Arbeit pendel, erleben bei mir im Moment klassische Handhelds eine Renaissance. Dank zahlreicher Indie Veröffentlichungen und PSN+ bin ich auf der Vita gut versorgt und auch Nintendo bringt in gewohnter Regelmäßigkeit seine First-Party-Perlen für den 2/3DS auf den Markt.

VGD: Und gibt es etwas dass du besonders vermisst?

Dennis: Klar! Was mir spürbar fehlt, ist das klassische Coop-Zocken mit den Kumpels auf der heimischen Couch. Aktuell gibt es keine FIFA Session bis in die frühen Morgenstunden und keine Wochenend 24h Gran Turismo Rennen. Denn am Tag darauf steht der Frühdienst am Kinde an und das geht eindeutig vor. Das soll aber bitte nicht negativ klingen. Im Endeffekt bin ich mit meinem Videospielleben absolut im Reinen. In den letzten Jahren hat sich das Hobby analog zu meinem Leben verändert. Wo man früher jedes Spiel zum Release in den Händen halten musste und Unmengen an eigener (Lebens)Zeit buchstäblich „verspielt“ hat, rezipiert man das Hobby heute gelassener. Ich muss nicht mehr jedes neue Spiel besitzen und informiere mich zunehmend passiv, quasi aus Third-Person Perspektive, über die aktuellen Geschehnisse im Gaming Bereich. Hail to the Internet! Das Allerschlimmste an dem Hobby ist allerdings meiner Meinung nach, dass ich mit mittlerweile fast 30 Jahren Spieleerfahrung das Gefühl nicht los werde, nahezu alles schon mal gesehen zu haben und nicht mehr so leicht zu begeistern bin.

VGD: Das mit den Freunden kann ich gut nachvollziehen. In meinem Umkreis bin ich der Erste mit Kind und somit auch der einzige zockende Vater. Entsprechend kann ich mit meinem Kumpels wie du nicht mithalten. Freitag abends treffen und das Wochenende durchzocken? Keine Chance. Wurde dein Freundeskreis durch das Kind komplett umgeworfen?

Dennis: Bei uns gab es schon zuvor viele Freunde mit Kindern, allerdings war keiner so Videospiel begeistert wie ich. Dadurch hat sich in der Beziehung bei mir eher wenig verändert. Derart süchtige Kumpels die das Wochenende durchzocken habe ich auch keine (mehr), zumindest erzählen sie mir davon nichts.

VGD: Was glaubst du, wirst du für ein Vater in den Augen deines Sohns sein? Weißt du schon wie du deinen Nachwuchs mit dem Thema Videospiele vertraut machen wirst, oder gibt es da noch keine Pläne?

Dennis: Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung laufen bei mir aus bisheriger Erfahrung eher auseinander. Daher tue ich mich schwer abzuschätzen wie mein Sohn mich wahrnimmt, bzw. wie ich gerne zukünftig wahrgenommen werden würde. Bisher habe ich mir noch keine konkreten Gedanken zum Thema Videospiele und Kind gemacht. Ich werde versuchen so wenig Einfluss wie möglich von außen auszuüben. Nach meinem Verständnis soll ein Kind alles ausprobieren dürfen, muss letztendlich aber selber entscheiden was und in welcher Intensität es längerfristig tun möchte. So wurde ich erzogen und so werde ich versuchen auch meinen Jungen zu erziehen.

…::: Zockerzimmer VOR dem Baby :::…The Talking Dad 01 - Zockerzimmer vor dem Baby

VGD: Du als Softwareentwickler… ich öffne mal kurzerhand die Klischee-Schublade und möchte gerne wissen wie dein Leben als Videospiel aussehen würde und vorallem mit welchem Namen du das Game in den Regalen sehen willst.

Dennis: Day of the sarcastic software engineer – Die wilden Eltern-Jahre. Es wäre hoffentlich eine Kombination aus den alten LucasArts Adventures und den Simulationsgames aus der Zeit wo der Entwickler MAXIS noch cool war. Eine gesunde Portion MadTV darf nicht fehlen, nur wird die Komponente “Fernsehsender” durch “Software AG” ersetzt. Wobei ich befürchte, dass der eigentlich charmante Humor von Ron Gilbert & Co in meinem Spiel eher Richtung Sarkasmus bzw. Zynismus abrutscht. Aus meiner Erfahrung ist diese Art von Humor oft leider nur für einen selbst amüsant. Daher möchte ich mich hiermit vorsorglich bei allen zukünftigen Spielern entschuldigen.

VGD: Mit MadTV und den LucasArts Adventurs hast du mir den Weg zu meiner nächsten Frage schon eröffnet. Du zählst mit deiner Erfahrung schon eher zu den Veteranen der Spielebranche und hast das Aufblühen der Industrie von Geburt an miterlebt. Was begleitet dich aus dieser Zeit ein Leben lang und welches Spiel begeistert dich noch heute am meisten?

Dennis: Ziemlich schwierig ein einzelnes Spiel raus zu picken. Generell reizen mich am meisten humoristische Wirtschaftssimulationen wie das eben genannte Mad TV, Theme Park oder Dungeon Keeper. Leider ist es in dem Genre ruhig geworden und im Gegensatz zum klassischem Point & Click Adventure stellen selbst deutsche Softwareschmieden diese Art von Spielen nicht mehr her. Heute gibt es dafür den Landwirtschaftssimulator, den Trucksimulator und ähnlich abstruse Spiele für den konservativen Feierabendspieler 50+. Einstige Choryphäen und Pioniere wie Peter Molineux machen heute nur noch vollmundige Versprechungen oder verkaufen alten Wein in neuen Indie-Schläuchen.

VGD: Und trotzdem bist du mit der Xbox One in die Next-Gen Welt eingezogen. Gibt es denn ein Most-Wanted in den nächsten Monaten auf das du dich abseits der geliebten und nicht vorhandenen Wirtschaftssimulationen freust?

Dennis: Das ist das Problem. Es gibt keins. Die für mich derzeit interessantesten Spiele erscheinen auf der Last-Gen (Dark Souls 2, South Park, … ) oder als Indie-Spiel auf dem PC bzw. der Vita. Der Einstieg in die Next-Gen ist somit für mich nur die Legitimation sich weiterhin mit den aktuellen Spielethemen auseinander zu setzen. Sozusagen ein Ausstieg auf Raten oder lauwarmer Entzug. Obwohl die Budgets aktueller Spieleproduktionen stetig wachsen, ist Innovation und Kreativität meiner Meinung nach äusserst rar gesäht. Das Risiko, durch die Etablierung neuer Ideen und Franchises extreme Verluste einzufahren, erscheint den Industriegiganten zu hoch. Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt (Atari, THQ) , dass selbst etablierte Spielestudios nach einem Flop Konkurs anmelden müssen, bzw. nur noch als Marke im Portfolio eines großen Publishers wie EA oder Activison-Blizzard fortbestehen. Unter diesen Vorraussetzungen ist in den nächsten Jahren vor allem „Mehr vom Gleichen“ mit besserer Grafik zu erwarten. Das ist sehr schade, aber weder SONY noch Microsoft haben den Mut gefasst etwas Neues zu präsentieren. Der größte Hoffnungsträger am Horizont ist für mich Oculus Rift. Die Technik scheint endlich reif zu sein, Virtuelle Realitäten ins Wohnzimmer einziehen zu lassen und somit den Weg für neue Spielideen zu ebnen.

VGD: Das ist doch mal ein gutes Schlusswort. Hast du einen Geheimtipp den du zukünftigen und anderen Vätern mit auf den Weg geben möchtest?

Dennis: Die kindliche Begeisterung, die man bei Videospielen (hoffentlich noch) erlebt, sollte man nach Möglichkeit auch in andere Bereiche des täglichen Lebens übernehmen. Sei es beim Familien-Brettspiel-Abend, im Beruf oder beim Lesen eines Buches. Mein Tipp : Versucht nicht zu sehr erwachsen zu werden.

VGD: Vielen Dank Dennis für das herzliche Interview. Ich freue mich dich auch zukünftig als Leser dabei zu haben und wünsche deiner Familie und dir weiterhin alles Gute für die Zukunft.

 

…::: Zockerzimmer NACH dem Baby :::…The Talking Dad 01 - Zockerzimmer vor dem Baby

 

Hat euch das Interview gefallen? Dann lasst es Feedback hageln und freut euch auf die kommenden Ausgaben von „The Talking Dad“!

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